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Unfallregulierung

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Wertminderung - Was ist das?


Ein durch einen Unfall beschädigtes Kfz. kann gelegentlich nicht so wiederhergerichtet werden, daß es sich wieder im ursprünglichen Zustand befindet. Es hat dann unvermeidliche Reparaturspuren oder verbleibende Restschäden. In diesem Falle bleibt das Fahrzeug auf Dauer in seinem Wert gemindert (sog. technische Wertminderung).

Weit häufiger ist der Fall, in dem der Schaden am Wagen zwar vollständig und ordnungsgemäß beseitigt werden kann, man aber nicht ausschließen kann, daß sich durch den Unfall am Wagen noch verborgene Mängel befinden, die erst in der Zukunft zutage treten. Solch eine Vermutung mindert das Fahrzeug zwar technisch nicht, schlägt sich aber im Falle des Weiterverkaufs in einem geringeren Kaufpreis nieder (sog. merkantile Wertminderung).

Technische und merkantile Wertminderung können nebeneinander geltend gemacht werden.


 

Wertminderung - Wann wird Sie erstattet?

Eigentlich müßte in jedem Einzelfall festgestellt werden, ob durch einen Unfallschaden ein Fahrzeug wertgemindert wurde oder nicht. Zur Vereinfachung der Schadensabwicklung hat jedoch der Deutsche Verkehrsgerichtstag Richtlinien entwickelt, nach denen pauschal beurteilt werden kann, wann eine Wertminderung nicht in Frage kommt. Eine Wertminderung wird dann nicht (mehr) erstattet, wenn

  • ein sog. Einfachschaden vorliegt, d.h. ein Schaden an der Außenhaut und/oder an Anbauteilen des Fahrzeugs, der mit einfachen Mitteln - Schrauben, Punktschweißen, Ausbeulen - so behoben werden kann, daß der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird. Darunter fallen z.B. alle Schäden, bei denen das beschädigte Teil durch ein Neuteil ersetzt wird.

  • das beschädigte Fahrzeug älter als 5 Jahre ist. Dann nämlich hat ein nach Reparatur am Fahrzeug verbliebener Restschaden im Allgemeinen auf dessen Wert keinen Einfluß mehr.

  • das Fahrzeug im Unfallzeitpunkt eine Laufleistung von mehr als 100.000 km hat. Dann ist es nämlich schon so weit abgenutzt, daß eine Wertminderung durch einen Unfallschaden i.d.R. nicht mehr in Betracht kommt.

In allen übrigen Fällen kommt eine Wertminderung und deren Erstattung in Frage.

Diese Grundsätze wurden von den Gerichten im Wesentlichen akzeptiert (vgl. z.B. KG VersR 68, 361; LG Karlsruhe, VersR 78, 430; LG München, VersR 78, 476; OLG Hamm, zfs 83, 263; OLG Bamberg, zfs 83, 263; LG Krefeld, zfs 90, 226 m.w.N.)

Erstattet wird eine Wertminderung von der Haftpflichtversicherung in aller Regel aber nur, wenn sie von einem Sachverständigen in einem Gutachten festgestellt wird.


Wertminderung - wie berechnet sie sich?

Scheinbar ganz einfach. Man muß nur den Wert des Fahrzeugs vor dem Unfall mit demjenigen nach der Reparatur vergleichen, und schon hat man die Wertminderung ermittelt. Allerdings macht die Wertermittlung zu beiden Zeitpunkten nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Die reine Kaufpreisdifferenz zählt nicht, da der Preis ja in erster Linie vom Verhandlungsgeschick der Kaufvertragsparteien abhängt und deshalb häufig den Wert des Fahrzeugs nicht widerspiegelt.

Der BGH ( VersR 80, 46) hat Grundsätze zu Ermittlung des Minderwertes aufgestellt und verlangt, daß der Minderwert insbesondere unter kontinuierlicher Beobachtung des des regionalen und überregionalen Marktes festgestellt werden soll. Er hat in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Berechnungsmethode von Ruhkopf-Sahm als sachgerecht bezeichnet. Andere Gerichte bedienen sich des ebenfalls dieses Berechnungsschemas (OLG Hamm, r + s 86, S. 313, OLG Köln, aaO., zuletzt LG Bochum, DAR 1994, S. 262).

Dieses Schema wurde jedoch seit 1962 nicht mehr angepaßt und überarbeitet und wird zusehends von den Instanzgerichten als überholt angesehen ( LG Köln, r + s 87, S. 162, LG Hanau, zfs 86 , 198 vgl. a. Becker/Böhme, Kraftverkehrshaftpflichtschäden, 1997, S. 176) . Es berücksichtigt die neueren Entwicklungen auf dem Reparatursektor (Tauschen statt Richten) nicht und enthält keine Beurteilung des Verhältnisses der Arbeitskosten zu den Materialkosten. Die DEKRA München beispielsweise wendet Ruhkopf-Sahm grundsätzlich nicht mehr an sondern bevorzugt, wie auch die oben angegebenen Gericht die Methode Halbgewachs-Berger.

Kein Berechnungsmodell ist leider bislang allgemein anerkannt.

 

 

© RA G. Kaßing, zuletzt geändert 25.05.1998

Jeder Rechtsfall ist anders, die Gesetze werden laufend geändert und täglich ergehen neue Gerichtsentscheidungen. Bitte haben Sie daher Verständnis dafür, daß wir für die Angaben auf diesen Seiten trotz aller Bemühungen um Aktualität und Genauigkeit  keine Gewähr übernehmen können.

 

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