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Wie finde ich den richtigen Anwalt?

Sie werden es vielleicht nicht für möglich halten, aber wenn Sie bisher noch nie mit einem Anwalt zu tun hatten, dann gehören Sie tatsächlich zur Mehrheit der deutschen Bevölkerung. Kurt Tucholsky hat zwar einmal mit dem ihm eigenen Sarkasmus gesagt: "Wenn der Deutsche nicht gerade einen Verein gründet, umbildet oder auflöst, dann führt er einen Prozeß". In der Realität ist es aber so, daß wir alle wenn möglich keinen Ärger wollen und deswegen der überwiegende Teil von uns auch noch nie einen Anwalt gebraucht hat und noch nie in einen Rechtsstreit verwickelt war.

Sollten Sie jedoch zu der Minderheit gehören, die bereits einmal Kontakt mit einem Anwalt hatten, dann empfiehlt es sich natürlich, sich bei einer auftauchenden Rechtsfrage zunächst wieder an diesen Advokaten zu wenden (vorausgesetzt natürlich, Sie waren beim letzten Mal mit ihm zufrieden!). Denn selbst wenn dieser Anwalt für Sie damals einen Verkehrsunfall reguliert hat und Sie nun einen Anwalt für Arbeitsrecht suchen, kann auch dieser Anwalt die richtige Adresse sein. Denn obwohl sich heutzutage die Anwälte zunehmend auf einzelne Rechtsgebiete spezialisieren, haben sie doch nach wie vor auf allen Rechtsgebieten noch eine solide Grundausbildung. Ist also der Anwalt an sich in Ordnung, dann ist er auch für eine grundsätzliche Rechtsberatung auf einem Gebiet gut genug, auf das er evtl. nicht gerade hochspezialisiert ist.

Hinzu kommt, daß die meisten Anwälte in einer Art lockerem Verbundsystem arbeiten. Denn jeder hat Gebiete, in denen er sich gar nicht auskennt. Wenn der Anwalt ehrlich ist, gibt er das dem Mandanten gegenüber unumwunden zu (wenn er nicht ehrlich ist, wird er sich binnen kürzester Frist blamieren!). Für solche Fälle hat aber praktisch jeder Anwalt eine Empfehlung bereit. Denn er kennt natürlich einen Kollegen, der sich auf eben dieses Gebiet spezialisiert hat, das er selbst nicht bearbeitet. Wenn Sie also von Ihrem "Hausanwalt" keinen Rat bekommen, dann bekommen Sie von ihm sicherlich eine Empfehlung, wo Sie sich hinwenden können. Und nachdem Ihr Hausanwalt (weil Sie ja, auch wenn er Sie diesmal woanders hinempfiehlt, trotzdem auch ein zukünftiger potentieller Kunde für ihn sind) kein Interesse hat, Sie in die Wüste zu schicken, sind solche Empfehlungen in der Regel nicht schlecht.

Für jemanden, der schon einmal Kontakt mit einem Anwalt hatte, empfiehlt es sich also, zunächst diesen anzurufen, auch wenn die Frage, die Sie auf dem Herzen haben, nicht in sein Fachgebiet fällt.

Gehören Sie jedoch zur Mehrheit der Leute, die nie mit einem Anwalt zu tun hatten, bleiben eigentlich nur zwei Wege:

  • Die Empfehlung von Verwandten und Bekannten. Solche Empfehlungen sind natürlich immer mit Vorsicht zu genießen. Denn einerseits ist jeder Rechtsfall anders, so daß der Anwalt, der für Ihren Bekannten eine Sache gut erledigt hat, unter Umständen für dessen Fall gut war, sich bei Ihrem evtl. aber überhaupt nicht auskennt und andererseits ist das Verhältnis zwischen Anwalt und Mandant immer auch eine sehr persönliche Angelegenheit. Es mag durchaus sein, daß zwischen dem empfohlenen Anwalt und Ihrem Bekannten seinerzeit "die Chemie gestimmt" hat und zwischen Ihnen und dem Anwalt das überhaupt nicht der Fall sein wird.
    Generell sind solche Empfehlungen aber sicher brauchbar und ausprobierenswert, wenn Ihr Bekannter oder Verwandter schon einmal im gleichen Fachgebiet ein Problem hatte, in dem Sie jetzt der Schuh drückt. Wenn Sie beispielsweise erwägen, sich scheiden zu lassen, dann ist es sicherlich eine gute Idee, Ihre Freundin anzurufen und sich die Adresse des Anwaltes geben zu lassen, der ihre Scheidung im letzten Jahr so schnell und unproblematisch durchgezogen hat.
    Generell sollten Sie also zunächst einmal im Bekanntenkreis nachfragen, ob jemand einen Anwalt mit einschlägiger Spezialisierung kennt. Über solche Empfehlungen kommen übrigens nach wie vor die allermeisten Kontakte zwischen Anwalt und Mandant zustande.
  • Finden Sie jedoch niemanden, der Ihnen einen Anwalt empfehlen kann oder wollen Sie z.B. aus Gründen der Diskretion nicht fragen, dann finden Sie am ersten vernünftige Informationen in Branchentelefonbuch. Dort sind die Anwälte nicht nur nach Namen alphabetisch aufgelistet. Sie finden außerdem eine Aufteilung der Anwälte nach Fachgebieten und innerhalb der Fachgebiete eine weitere Aufteilung nach
    Fachanwälten
    Tätigkeitsschwerpunkten und
    Interessensschwerpunkten
    .
    Ob der jeweilige Anwalt dann wirklich etwas taugt, wird dann bei der ersten Kontaktaufnahme herauszufinden sind.

Bewährt hat es sich außerdem, beim örtlichen Anwaltsverein anzurufen. Dort liegen Listen auf, in denen die Anwälte (ähnlich wie im Telefonbuch) nach Spezialgebieten unterteilt sind. Die Listen des Anwaltsvereins sind noch spezieller als diejenigen im Telefonbuch. Sie bekommen beim Anwaltsverein evtl. auch einen Anwalt in einem Spezialgebiet empfohlen, das im Telefonbuch gar nicht aufgeführt ist.

Schließlich können Sie auch noch in einer der zahlreichen Anwaltslisten des Internets nachschauen und sich die Homepages der Anwälte in Ihrer Umgebung mit dem entsprechenden Fachgebiet anschauen. Das hat den Vorteil, daß man sich von der Tätigkeit des Anwalts zumindest einen groben Überblick verschaffen kann, bevor man das erste Mal mit ihm telefoniert.